Zuhause Über Georgien
Über Georgien
Das kleine Land Georgien (von den Georgiern als „Sakartvelo“ bezeichnet) liegt an der Grenze zwischen Europa und Asien. Georgien liegt im Kaukasus und grenzt im Westen ans Schwarze Meer, im Norden an Russland, im Süden an die Türkei und Armenien und im Südosten an Aserbaidschan. Die Hauptstadt Tiflis (Tbilisi) wurde im 5. Jahrhundert gegründet.  Die Bevölkerung des Landes (69 700 Quadratkilometer) liegt bei 3 720 000 Menschen.


 

Georgische Literatur - Made by Characters 
Bücher georgischer AutorInnen in deutscher Sprache von Zaal Andronikashvili 

Im Oktober 2018 ist Georgien Gastland der Frankfurter Buchmesse. In diesem Zusammenhang sind um die 200 von GNBC geförderten Übersetzungen ins Deutsche bereits erschienen oder erscheinen in Kürze. Übersetzt wurde  Prosa und Poesie klassischer und zeitgenössischer georgischer Autorinnen und Autoren, aber auch Sachbücher, Kinder- und Jugendliteratur sowie Reise- und Kochbücher. 
Drei Faktoren charaktierisieren georgischen Literatur:
Mit etwa fünf Millionen Lesern ist die georgische Literatur eher eine kleine Literatur. Sie blickt jedoch auf eine reiche Tradition von 1500 Jahren zurück, in denen sie einen Schatz an poetischen und prosaischen Formen, Stilrichtungen, rhetorischen Figuren und Motiven angesammelt hat, die auch den zeitgenössischen georgischen Autorinnen und Autoren vielfältige Ausdrucksmittel an die Hand geben.Die georgische Literatur von Anfang an im Kontext der Übersetzung. Sowohl die georgische Schrift als auch die georgische Literatur sind aus der Bibelübersetzung im 4. Jahrhundert geboren. Die Rezeption anderer Literatur ist seitdem für georgische Literatur wesenhaft.
Die georgische Literatur eine Literatur der Grenze. Anders, als die westeuropäische Literatur, die in ihrem Kanon ausschließlich auf griechische und römische Antike orientiert hat, hat georgische Literatur nicht nur griechische Antike und Christentum, sondern auch klassische persische und arabische Literaturen/Kulturen rezipiert.
Aus dieser Verbindung zwischen dem östlichen und westlichem Literaturkanon ist das bedeutendste literarische Werk der georgischen Literatur, Der Recke im Tigerfell von Schota Rustaweli (1172–1216) geboren (Reichert Verlag, 2014). Rustawelis Epos erschien 2018 im Galiani Verlag Berlin in einer Nacherzählung von Tilman Spreckelsen und mit neuen Illustrationen von Kat Menschik (Tilman Spreckelsen und Kat Menschik, Der Held im Pardelfell. Eine Georgische Sage von Schota Rustaweli, Galiani 2018).
Seit Rustaweli hat die Poesie für ein halbes Jahrtausend unangeforchten üebr die Prosa dominiert. Sulchan-Saba Orbeliani (1658–1725), der große Lexikograph und Übersetzer, brachte mit seiner eleganten und lakonischen Parabelsammlung Weisheit der Lüge die Prosa aus der Verbannung zurück (Sulchan-Saba Orbeliani, Die Weistheit der Lüge, Eidition Orient 2018). Einen weiteren Höhepunkt erlebte die georgische Dichtung mit der Romantik. Nikolos Barataschwilis (1817–1845) Gedicht Merani (zu Deutsch: schwarzes Ross), dessen Reiter dem Schicksal zum Trotz ins Verderben reitet, gilt als Meisterwerk der georgischen Literatur. (Gedanken am Flusse Mtkvari, Arco Verlag 2018). Die georgische Literatur des 19. Jahrhunderts hat zwei große Stars: Alexandre Qasbegi (1848–1890), hat den georgischen Lesern die unbekannte Bergwelt erschlossen und sie zum Mittelpunkt seines politischen, gegen den russischen Kolonialismus gerichteten Sujets gemacht. Wascha-Pschawela (1865–1915) entdeckte die Volkssprache und den Dialekt der ostgeorgischen Kaukasusprovinz Pschawi für die georgische Hochliteratur. Er belebte den archaischen Mythos und verlieh den Konflikten zwischen Christen und Moslems eine tragische Größe.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Tbilissi zu einer hauptstadt einer internationaler (georgisch-russisch-armenischer Avantgarde). Der symbolistische Dichterorden die blauen Hörner dominiert das literarische Leben von Tiflis. Diese Entwicklung wurde von der bolschewistischen Invasion 1921 beendet, die Georgische Demokratische Republik wurde aufgelöst und Georgien wurde zu einem Teil der Sowjetunion gemacht. Galaktion Tabidse (1892–1959), der letzte große und mit 130 metrischen Formen der reichste Dichter Georgiens, führte diese vom Stalinterror unterbrochene Tradition bis zu seinem Selbstmord fort.
Die Literatur des 20. Jahrhunderts sowie die Gegenwartsliteratur stehen im Zeichen der Prosa und insbesondere des Romans. Auch ins Deutsche werden Romane am häufigsten übersetzt.
Zu den bekanntesten Romanautoren der georgischen Moderne zählt der bis heute vielgelesene Schriftsteller Micheil Dschawachischwili (1880–1937), der Stalinterror zu Opfer viel. Sein bereits in der Sowjetzeit ins Deutsche von Kristiane Lichtenfeld übersetzte Roman Das fürstliche Leben des Kwatschi K. konnte erst  2016 vollständig und unzensiert in Deutschland erscheinen (Nora Verlag). 2018 erscheinen eine Stalin-Parodie Jakos Kostgänger ebenfalls im Arco Verlag. Otar Tschiladse (1933–2009) gehört zu den bedeutendsten Autoren der Nachkriegsgeneration. Beinahe sein Gesamtwerk liegt nun auf deutsch vor: Der Garten der Dariatschangi eine politisch aktuelle Aufarbeitung des Argonautenmythos (2018)  Awelum, ein Roman der den Zerfall des Sowjetimperiums dokumentiert und reflektiert und der Schuld-und Sühneroman Der Korb (2018) sind bei Matthes und Seitz Berlin erschienen. Im Hanser Verlag erschien der magisch-realistische Roman Das erste Gewand des georgischen Kultautors Guram Dotschanaschwili (geb. 1939). Auch Tschabua Amiredschibis Kult-Roman Data Tutaschchia ist ein fester Bestandteil des georgischen Literaturkanons des 20. Jahrhunderts (Tschabua Amiredschibi, Data Tutaschchia. Der edle Räuber vom Kaukasus, Kröner Verlag 2018)
Die georgische Prosa der postsowjetischen Phase war thematisch wie formal äußerst innovativ. Sie wartete mit einem neuen Geschichtsbild, neuer, an die gesprochene Sprache angepassten Literatursprache sowie einer neuen symbolischen Geographie auf und widmete sich Themen, die zuvor Tabu waren. Während der Roman des 20. Jahrhunderts sich meist mit der georgischen Vergangenheit beschäftigte, entdeckte man nach der Wende die Gegenwart und den privaten Raum wieder. In den Gründungstexten der georgischen Gegenwartsliteratur, Keti Nizharadzes Das Autoporträt (1987), Kote Dschandieris Die Familienchronik (1987) und Aka Mortschiladses Die Reise nach Karabach (1992) ging es um das Erwachsenwerden einer neuen, nicht mehr sowjetisch geprägten Generation, welche nach neuen Lebensentwürfen suchte. Aka Mortrschiladse (geb. 1966) ist der beliebteste georgische Autor. Seine vielschichtige, multidimensionale und polyphone Prosa hat eine unglaubliche Bandbreite an Stil, Formen und Gattungen und spricht mittlerweile auch deutsche Leserinnen und Leser an. Mehrere deutsche Verlage veröffentlichen seine Bücher in Deutsch, so auch die fünf Romane Santa Esperanza (Mitteldeutscher Verlag, 2017) Schatten auf dem Weg (Mitteldeutscher Verlag, 2018), Reise nach Karabach (Weidle Verlag, 2018), Obolé (Mitteldeutscher Verlag, 2018) sowie Der Filmvorführer (Weidle Verlag, 2018).
Georgische Gegenwartsliteratur setzt sich heute mit den Werten und Autoritäten der Vätergeneration auseinander.  (Lasha Bughadze geb. 1977, Der erste Russe, VFA 2018) dokumentiert auf die einzigartige Art und Weise das Ende der Schewardnadseära in Georgien. Die Genealogie dieser langsamen aber unaufhaltsamen Veränderung in Georgien rekonstruiert  der mehrfach preisgekrönte und vom georgischen Lesepublikum aller Generationen geliebte Autor Archil Kikodze Die Geschichte von einem Vogel und einem Mann (beide Ullstein-Verlag  2018).
Autoren wie Kote Jandieri (geb. 1958) in Globalisierung (Klack-Verlag 2018), Dato Turaschwili (geb. 1966) in Westflug (Wagenbach 2014), Irakli Charkviani (1961-2006) in Dahinschwimmen (Dagyeli 2018) setzten sich mit der sowjetischen Vergangenheit auseinander. Junge Autorinnen stellen die patriarchalische Gesellschaftsordnung Georgiens in Frage wie die preisgekrönte Autorin Tamta Melaschwili (geb. 1979). Ihr bewegender Roman Das Abzählen (Unionsverlag 2012) der den deutschen Jugendliteraturpreis gewann, erzählt die tragische Geschichte zweier Teenagermädchen in der Konfliktzone.  Tamar Tandaschwili (geb. 1973) macht in ihrem Debütroman Löwenzahnwirbelsturm in Orange (Residenzverlag 2018) ebenso wie Anna Kordsaia-Samadaschwili (geb. 1968) im Krimi Wer hat Tschaika getötet? (Schiler-Verlag 2016) ) die Gewalt gegen Frauen zu ihrem Thema. In den Sammelbändern Bittere Bonbons (Edition Fünf 2018) und Techno der Jaguare (FVA 2013) ist das Prosa georgischer Autorinnen versammelt. Autoren und Autorinnen wie Zurab Lezhava (geb. 1960) in Ein Glass Blut (Edition Mohnhardt, 2018) Nana Ekvtimischwili in Das Birnenfeld, (Suhrkamp 2018) , Gela Tschwkanawa in Unerledigte Geschichten (Voland und Quist 2018), Guram Odischaria, Das Pass der oder (Reichert-Verlag 2015), Luka Bakaninze in Das dritte Ufer (Klack-Verlag 2018) entdecken die soziale Peripherie wieder, reflektieren über die Gewalt im Alltag und über die Gewalt im Krieg und  beschäftigen sich mit Flüchtlingen und sozialen Outsidern. Der jüngste russisch-georgische Krieg ist das Thema von Zaza Burchuladzes (geb. 1973) Roman Adibas (Aufbau/Blumenbar, 2015). In Touristenfrühstück (Aufbau/Blumenbar, 2016) setzt er sich mit modernen Themen wie seinen Erfahrungen in Tiflis und Berlin nach seiner Auswanderung auseinander.
Auch georgische Lyrik ist in deutscher Übersetzung gut vertreten: in Corvinus Presse erschienen zwei Anthologien georgischer Lyrik: Aus der Ferne: Neue georgische Lyrik (2015) und Kartoffelernte (2018). In Dagyeli Verlag erschienen Poeme von Besik Kharanauli (geb. 1939), Sprich imr vor, Angelina dessen Poeme 2018 erschienen sind. Wallstein Verlag veröffentlicht Gedichtsammlungen mehrerer bedeutender Lyriker des 20. Jahrhunderts, der Größenwahn Verlag wird eine Anthologie von 32 georgischen modernen Dichtern herausgeben. Mehrere georgische Dichterinnen und Dichter sind in Einzelausgaben in Deutschland und Österreich herausgegeben worden: Shota Chantladze, Badri Guguschwili, Tamaz Badzagua, Besik Kharanauli, Bella Tschekurischwili, Lia Sturua, Zviad Ratiani, Rati Amaglobeli, Surab Rtweliaschwili und Dato Barbakadze.
Im Rahmen des Gastlandauftritts von Georgien werden rund 15 Kinderbücher in deutscher Sprache herausgegeben. Die Sammlung georgischer Märchen Der König, der nicht lachen konnte erschien 2017 im NordSüd-Verlag in Zusammenarbeit mit dem Book Art Center Tiflis. Vierzehn georgische Illustratoren und Illustratorinnen meist aus der jüngeren Generation haben die insgesamt 21 Märchen des Bandes illustriert. Eine umfangreiche Sammlung georgischer Märchenist im Insel Taschenbuch erschienen. Bei Baobab Books ist die Erstveröffentlichung von Schlaf gut erschienen: Die junge georgische Künstlerin Tatia Nadareischwili erzählt hier eine amüsante Geschichte von einem kleinen Jungen, der sich von verschiedenen Tieren  beraten lässt, wie man besser einschläft.


Festivals
In Georgien finden im ganzen Land verschiedene Festivals statt – von Literatur, Theater, Musik über Film, zeitgenössische Kunst bis hin zu Fotografie, Choreografie und Mode. Alle tragen dazu bei, das kulturelle Leben aufzufrischen und das Land populärer zu machen. Ein besonderes Highlight ist das „Tbilisi International Festival of Literature“ (TIFL): Hier treffen seit 2015 einmal jährlich im Mai georgische und internationale Autorinnen und Autoren, Übersetzer, Biografen, Wissenschaftler und andere wichtige Vertreter der Literatur aufeinander, um sich auszutauschen und zu vernetzen. Literaturliebhaber bekommen die Möglichkeit, die Arbeitsabläufe hinter den Werken kennenzulernen und aktiv an den Diskussionen teilzunehmen. Das Writers‘ House of Georgia organisiert das Festival gemeinsam mit dem Ministerium für Kultur und Denkmalschutz und internationalen Organisationen, die in Tiflis angesiedelt sind. Auch im Bereich Theater hat Georgien einiges zu bieten: Die bekanntesten Festivals in diesem Bereich sind das Internationale Theaterfestival Tiflis, das Internationale Kunstfestival Tiflis zu Ehren von Mikhail Tumanischwili, das Theaterfestival in Poti sowie das Comedy-Festival Gori. Sogar der weltbekannte US-Schauspieler John Malkovich schaute schon beim Festival vorbei. Die Zuschauer konnten dort zudem bereits Inszenierungen berühmter Regisseure wie Peter Brook und Eimuntas Nekrošius erleben. Eine lange Tradition in Georgien haben Kino- und Animationsfestivals. Dazu zählen das Tbilisi International Film Festival, das CineDOC-Tbilisi, das International Festival of Cameramen „Golden Eye“, das International Festival of Animated Films Tofuzi, das Nikozi – International Festival of Animation Films und das Biaff – Batumin International Art-house Film Festival. Im Bereich Musik konnte Georgien mehrere große Festivals etablieren: das Tbilisi Chamber Music Festival, das Tbilisi Baroque Festival, das Telavi International Musical Festival, das Art Gene Festival, das International Night Serenade Festival, das Kavkaz Jazz Festival, das Black Sea Jazz Festival und viele weitere. Dort standen bereits weltbekannte Künstler wie Quincy Jones, Lauryn Hill, Till Brönner, Joe Zawinul, Herbie Hancock und Esperanza Spalding auf der Bühne. Auch elektronische Musik spielt in Georgien eine wichtige Rolle: Am GEM Fest nehmen jedes Jahr führende DJs und Musiker wie Armin van Buuren, David August, Paul Kalkbrenner, Solomun und The Prodigy teil. Auf Initiative der georgischen Regierung wurde 2016 das Projekt „Check in Georgia“ ins Leben gerufen, mit dem Ziel Georgien durch ein umfangreiches Musikprogramm noch attraktiver für Touristen zu machen. Über mehrere Monate finden Festivals und Konzerte bekannter Stars wie Robbie Williams, Maroon 5, Aerosmith, Sting, Elton John und Christina Aguilera statt.


Reise nach Georgien
Georgien bietet alles, wovon Reisende und Abenteurer träumen: Berge mit ewigem Schnee, Gebirgsseen, Alpenwiesen, Schluchten geschmückt mit bunten Wildblumen und exotischen Früchten, Palmenküsten, ursprüngliche Canyons, historische Höhlen, Mineral- und Schwefelquellen. Diese außergewöhnliche Schönheit und Vielfalt hat bereits zahlreiche Autoren und Dichter inspiriert. Als eines der ersten Länder auf der Welt konvertierte Georgien im 4. Jahrhundert zum Christentum. Heute ist es bekannt für seine religiöse Weltoffenheit und Toleranz: In Georgien leben seit Jahrzehnten Menschen unterschiedlichen Glaubens und Religionen friedlich zusammen. Inmitten von östlicher und westlicher Kultur sind in Georgien über die Jahrzehnte hinweg die europäischen und asiatischen Traditionen und Lebenswesen zu einer einzigartigen Kultur miteinander verschmolzen. Nichts beschreibt das Gemüt der Einwohner dabei besser als die polyphone Musik: Der harmonische Wohlklang ist weltbekannt und seit 2001 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Rhythmus, Dynamik, geometrische Reihenfolge, Disziplin, wilde Energie, perfekt abgestimmtes Teamwork und Individualismus zeichnen die georgischen Volkstänze aus. Fremde Augen fühlen sich dabei an Actionszenen aus Hollywood mit vielen Special Effects erinnert. Mit mehr als 500 Rebsorten, zahlreichen Weinbergen und dem Kvevri (traditionelles Tongefäß zur Weinherstellung) ist Wein ein bedeutender Bestandteil der georgischen Kultur. Mit dem rtveli wird Ende September/Anfang Oktober das Ende der Erntezeit groß im ganzen Land gefeiert. Den besten Eindruck von der Seele und Kultur des Landes vermittelt die Küche. Georgische Nationalgerichte zählen durch ihre Vielfalt und einzigartigen Geschmäcker zu den besten in der Welt. Jede historische Provinz hat ihre eigene kulinarische Tradition, die sich über Jahrzehnte stets verfeinert hat. Das Geheimnis des georgischen Geschmacks liegt in der Erde, in der das pure Wasser der kaukasischen Bergquellen auf mineralreichen Nährboden trifft.