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Georgia – Made by Characters

12 Oktober, 2017

Seit   dem   4.  Jahrhundert  nach  Christus  gibt   es   die   georgischen  „characters“  –  die   33  kunstvoll geschwungenen Buchstaben des  weltweit einzigartigen Alphabets, das  kürzlich  zum UNESCO-Welterbe erklärt  wurde. Ebenso traditionsreich, vielfältig und einzigartig wie die Buchstaben ist auch das  Land selbst, das sich 2018 als Gastland der Frankfurter Buchmesse präsentiert. Unter dem Motto „Georgia – Made  by Characters“ möchte Georgien nicht nur die Geschichten und  Werke  vorstellen, die in dieser Schrift  niedergeschrieben wurden, sondern auch die Charaktere, die dahinterstehen: Autoren, Künstler – die Georgier selbst. Heute stellte Georgien auf der Buchmesse sein  Konzept  für den Ehrengastauftritt 2018 vor und gab einen ersten Einblick in das umfangreiche Literatur-  und Kulturprogramm.

„Georgien ist eine der ältesten Kulturnationen der Welt und verfügt über eine für solch ein kleines Land unglaubliche Fülle an Kulturschätzen“, so Mikheil Giorgadze, Minister für Kultur und  Denkmalschutz Georgiens. „Wir freuen uns,  dass wir 2018,  wenn  Georgien den  100.  Jahrestag seiner Unabhängigkeit feiert,  in Deutschland unsere einzigartige kulturelle Identität zeigen können. Wir wollen ‚Georgia – Made  by Characters‘ zu einer  Feier der georgischen Literatur,  Kultur und Kreativität  machen.“ Einen  Eindruck von der  großen Kulturnation vermitteln bereits die Veranstaltungen, die derzeit im Rahmen des Deutsch-Georgischen Jahres 2017 stattfinden.

„Georgien blickt  auf  eine  15  Jahrhunderte lange  literarische Tradition  und  eine  bewegte Geschichte zurück.  Dieses kulturelle  Erbe  prägt und  inspiriert  zeitgenössische  Autorinnen und  Autoren auch heute noch.  Auf der  Frankfurter Buchmesse  2018   werden unsere  Besucherinnen  und   Besucher aus   aller  Welt  die  lebendige  Literaturszene  des kaukasischen Landes entdecken“, sagte Juergen Boos, Geschäftsführer der Frankfurter Buchmesse.

Unter  der  sowjetischen Besatzung zwischen 1921  bis 1991  wurde georgische Literatur nur sehr sporadisch übersetzt. Seit  der  Unabhängigkeit gelingt  es der  georgischen Literatur wieder,  ihre  große literarische Tradition,  die so  reich  an Genres ist, aufzunehmen und  gleichzeitig ihre  eigene Identität auf  eine  ganz  andere und  experimentelle Weise zu etablieren. Seit  2010  wurden bereits mehr als 65 georgische Bücher mit Unterstützung des Georgian National Book Centers in deutschsprachigen Ländern veröffentlicht. Im Rahmen des Ehrengastauftritts sind weitere 90
Neuübersetzungen in deutscher Sprache geplant. Die Palette reicht  von klassischen bis zu zeitgenössischen Autorinnen und  Autoren, von Erzählungen, georgischen Epen  und  Anthologien georgischer Poesie über  Sachbücher, Kinder- und Jugendliteratur, Krimis bis hin zu einer  Sammlung von kritischen Essays.

Georgien verfügt über eine bis ins 5. Jahrhundert zurückreichende literarische Tradition. Die Literatur ist immens abwechslungsreich: eine spannende Synthese von orientalischen und abendländischen   Einflüssen, offen für Innovationen und zugleich autark. Eines der bedeutendsten literarischen Werke  Georgiens ist das Epos Der Recke  im Tigerfell  von  Schota Rustaweli (1172–1216). Die moderne  georgische Literatur basiert auf  den Erfahrungen und Prüfungen vieler Jahrhunderte. „Sie hat sich Schritt für Schritt neben der modernen Weltliteratur entwickelt und vermittelt ein klares Bild von dem  Charakter der Nation, die sie hervorgebracht hat“, erklärte Medea Metreveli, Projektleiterin des Ehrengasts. „Wir wollen als Ehrengast unsere Antwort auf die Herausforderungen der modernen Welt präsentieren – die Antwort eines Landes, das so klein ist wie unseres und das seine historischen und kulturellen Erfahrungen mit der ganzen Welt teilen möchte.“

Zu den  derzeit bekanntesten Schriftstellern zählt  Aka Morchiladse, der  meistgelesene Gegenwartsautor Georgiens. Allein fünf seiner Bücher werden im Zuge des Ehrengastauftritts auf dem deutschen Markt erscheinen. Zaza Burchuladze hat mit seinem Buch Touristenfrühstück bereits in Deutschland für Aufmerksamkeit gesorgt. Im nächsten Jahr kann sich das  deutsche Publikum  auf  einen neuen Roman  des  großen Provokateurs freuen. Die hierzulande wohl  bekannteste Autorin ist Nino Haratischwili. Die in Hamburg lebende Georgierin, die ihre Bücher in deutscher Sprache verfasst, hat mit ihrem  vielbeachteten Roman  Das achte Leben (Für Brilka) interessante Einblicke  in die georgische Geschichte und Lebensart vermittelt. Im Ehrengastauftritt Georgiens sieht sie eine große Chance: „Es könnte sich lohnen, die europäische Literatur um die georgische zu erweitern, weil die Vielfalt, die Koexistenz von Verschiedenem als Idee genau das ist, was für mich Europa ausmacht und was heutzutage leider oftmals in Frage gestellt wird.“

Im nächsten Jahr wird die georgische literarische Szene in ihrer ganzen Vielfalt in Frankfurt vertreten sein und bei einer Vielzahl an Lesungen, Workshops und Konferenzen spannende Einblicke in die georgische Literatur, Kultur und Lebensart geben. Begleitet wird  der  Gastlandauftritt durch ein  umfangreiches Rahmenprogramm mit  Ausstellungen, Musik-, Theater- oder  Filmvorführungen. Dieses vereinigt das Beste aus Urgeschichte, antiker  und  zeitgenössischer Kunst, Fotografie, Architektur, Design,  Typografie und  Illustration, etwa  eine  Ausstellung zu den  Überresten der  1,8 Millionen Jahre  alten  Dmanisi-Menschen sowie  eine  Schau mit archäologischen Funden und  antiken Kunstwerken rund  um den Mythos der Argonauten. Auch Filmfreunde können sich freuen: Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 lädt das Georgische Nationale Filmzentrum zu 15 Filmvorführungen und Diskussionen.

Rund  500  Lesungen und  Events  im deutschsprachigen Raum  stimmen ab  jetzt  auf  den  Ehrengastauftritt ein. 70 Schriftsteller aus Georgien werden mit ihren  Büchern in bis zu 30 Städte in Deutschland, der  Schweiz und  Österreich reisen und  an rund  20 literarischen Festivals wie der lit.COLOGNE, dem  Harbour Front Literaturfestival Hamburg sowie den Literaturtagen Zofingen teilnehmen.

Bereits auf der diesjährigen Buchmesse startet Georgien seinen Kulturmarathon und gibt einen Vorgeschmack auf das kommende Gastland: bei der Gastrollenübergabe mit der britisch-georgischen Sängerin Katie Melua, mit Diskussionen zum  Deutsch-Georgischen Jahr  2017  und  einer  Reihe  von  Veranstaltungen,  bei  denen georgische Autorinnen und Autoren und  Kritiker mit deutschen  Moderatoren sowohl über  die  klassische georgische Literatur als auch über  die neuesten und  modernen Publikationen sprechen, etwa  Lasha  Bugadze, Zurab Karumidze,  Salome Benidze, Nestan Nene Kvinikadze und Beka Adamaschwili.

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