Zuhause Alle Veranstaltungen Ehrengast Frankreich übergab die GastRolle an Georgien

Ehrengast Frankreich übergab die GastRolle an Georgien

15 Oktober, 2017

Frankfurt,  15.10.2017 – Jedes Jahr am letzten Tag der Frankfurter Buchmesse findet eine  ganz besondere Veranstaltung statt. Am Nachmittag des Messesonntags verabschiedet sich der amtierende Ehrengast und übergibt in einer feierlichen Zeremonie an den künftigen. Eigens dafür wurde das Objekt der GastRolle kreiert, welches jährlich um einen literarischen Beitrag des folgenden Ehrengastes erweitert wird. Frankreich hatte ein Zitat von Paul Ricœur  gewählt:
 
„Hospitalité où le plaisir d’habiter la langue de l’autre est  compensé par  le plaisir de recevoir chez  soi, dans sa  propre demeure d’accueil, la parole de l’étranger."
 
„Sprachliche Gastfreundschaft also, bei der das Vergnügen, die Sprache des anderen zu bewohnen, vergolten wird durch das Vergnügen, bei sich, in seiner eigenen, gern aufnehmenden Bleibe, das Wort des  Fremden zu empfangen."
 
Georgien präsentierte sich auf der GastRolle mit einem Auszug aus dem Nationalepos „Der Recke im Tigerfell“ von Schota Rustaweli aus dem 12. Jahrhundert.
 
Wie die Sonne gleiche Lichtflut auf Gestrüpp und Rosen gießt, sieh,
dass Arm’ und Reiche du mit gleicher Fürstengnade misst.  Auch den
Trotz bezwing durch Güte, die allzeit bezwingend ist spende – wie
die Flut, vom vollen Meere kommend, meerwärts fließt.
 
Auf der  Bühne  begleiteten  Pénélope Bagieu,  französische Autorin  und  Illustratorin  und  der georgische Autor  Davit Gabunia die GastRollen-Übergabe.

Paul   de   Sinety,   Vorsitzender  von   „Francfort  en   français  / Frankfurt  auf   Französisch“, resümierte:  „Mit  dem Ehrengastauftritt Frankreichs auf der Frankfurter Buchmesse war gleichwohl auch die französische Sprache eingeladen. Dies war uns eine  große Ehre  und  Freude und  die außergewöhnliche Gelegenheit zusammen mit unseren deutschen Freunden das  Europa der  Kultur neu zu denken. Dies ist eine  Vision, die wir gerne mit unseren georgischen Freunden teilen  möchten. Die Einladung Georgiens als Gastland der  Frankfurter Buchmesse  2018  ist in dieser Hinsicht sehr symbolträchtig und  wir wünschen unserem europäischen Nachbarn über  die Grenzen der Europäischen Union hinweg alles Gute.“
 
„Unser  diesjähriger Ehrengast Frankreich öffnete uns den  Blick für  den  französischen Sprachraum. Wir haben den Reichtum, die thematische Vielfalt und Widersprüchlichkeit der französischsprachigen Literatur kennengelernt, die weit über die Staatsgrenzen unseres Nachbarlandes hinweg geschrieben und gelesen wird. Mit Georgien kündigt sich nun ein Ehrengast an, dessen jahrtausendealte kulturelle Wurzeln  vielen von uns noch  weitgehend unbekannt sind. Wir freuen uns  auf die literarischen Entdeckungen und  sind sehr gespannt auf die Persönlichkeiten und  Geschichten, die uns  das georgische  Organisationskomitee im  Oktober 2018   vorstellen wird“,  sagte  Juergen Boos,  Direktor  der  Frankfurter Buchmesse.
 
Der Beitrag  Georgiens auf der  GastRolle ist in den  kunstvoll geschwungenen Buchstaben des  georgischen Alphabets verfasst. Die einzigartige Schrift spielt auch für die britisch-georgische Sängerin Katie Melua, die die GastRollen-Übergabe musikalisch begleitete, eine große Rolle: „Ihr verdanke ich, dass ich das Bücherlesen liebgewonnen habe und das spielte eine entscheidende Rolle bei der Herausbildung meiner Persönlichkeit“, so die Künstlerin. „Georgien ist stets in meinem
Herzen. Mein Schaffen ist ein Teil meines Charakters, der nicht zuletzt aus georgischen Buchstaben geformt wurde.“
 
Medea Metreveli, Leiterin des Ehrengastkomitees Georgien 2018, versprach für das nächste Jahr weitere spannende und ungewöhnliche Begegnungen. „Unter  dem  Motto  ‚Georgia - Made  by Characters‘ wollen  wir die  große literarische Tradition  des  Landes, die  bis ins 5. Jahrhundert zurückreicht und  so  reich  an  Genres ist, und  die  einzigartige Schrift präsentieren, in der sie niedergeschrieben wurde“, erklärte Medea Metreveli. „Wir wollen zeigen, wie sich die georgische Literatur seit der  Unabhängigkeit Georgiens auf eine  ganz  andere und  experimentelle Weise etabliert und  wieder ihre eigene Identität entwickelt hat. Und schließlich möchten wir unsere historischen und kulturellen Erfahrungen und unsere Antwort auf die Herausforderungen der modernen Welt mit der ganzen Welt teilen.“

Alle Veranstaltungen